Kreditaufnahme in Schweden wird abgelehnt, warum ??

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Upplandskarl
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Kreditaufnahme in Schweden wird abgelehnt, warum ??

Beitrag von Upplandskarl »

Hallo,

kann uns jemand folgende Fragen beantworten:

Wir leben seit einem Jahr in Schweden. Mein Mann hat eine Festanstellung seit Mai letzten Jahres und einen ganz passablen Verdienst.

Mein Mann wollte nun einen Kredit ueber 20000 kr aufnehmen bei unserer Bank via Internet und hat eine Absage bekommen. WIr haben es bei einer anderen Bank versucht - das gleiche.
Die eine Bank hat es begruendet, weil wir keine Historie in Schweden haben und die andere hat so ein Standardschreiben geschickt welche Gruende zur Absage gefuert haben könnten, wie z.B. zu geringes Einkommen oder Betalningsanmärkningar. Aber mein Mann verdient deutlich mehr pro Monat als den Betrag den er aufnehmen will und betalningsanmärkningar haben wir auch nicht.

Kann das wirklich sein ?? Wie lange muss man in Schweden leben um einen Kredit zu bekommen oder woran könnte es liegen ??

Fuer uns nicht wirklich verständlich, denn wir haben ein regelmässiges, mit sicherheit ausreichendes Einkommen. Keine anderen Schulden weder in Deutschland noch in Schweden und keine Anmerkungen wegen z.B. nicht bezahlter Rechnungen oder so.

:-elchi
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Gast

Beitrag von Gast »

Das kann verschiedene Ursachen haben. Wir haben eben eine Finanzkrise und da sind deutsche, wie schwedische Banken eben vorsichtig.

Andersherum stellt sich für mich die Frage: Wenn Dein Mann wirklich deutlich mehr als den Kreditbetrag pro Monat verdient, warum spart ihr dann nicht einfach das Geld?

Und vielleicht hat sich einfach die Bank auch diese Frage gestellt?
Norrfan
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Beitrag von Norrfan »

Hej, über die Auifnahme eines Kredits sollte man unbedingt mit der Bank sprechen, bei der man sein Konto hat. Diese Internetangebote sind nicht allzu seriös. Im persönlichen Gespräch mit seinem Ansprechpartner bei der bank kann man solche Dinge entschieden besser klären.Wenn nur ein Einkommen den Familienbedarf decken muss, so ist das für eine Kreditvergabe oft zu unsicher, die Banken haben eine Art Standardauflistung für den notwendigen monatlichen Bedarf einer Familie. Das wird dann dem Einkommen gegenübergestellt. Entscheidend ist auch die Kreditverwendung, kauft man z. B. ein Auto damit, so dient das Auto als Sicherheit, denn die Bank muss grundsätzlich das Darlehen in irgendeiner Form sichern. Es hat wahrscheinlich gar nichts damit zu tun, dass Ihr keine Schweden seid, es wird nur die finanzielle Situation betrachtet. Die Banken sind insgesamt sehr viel zögerlicher geworden, Darlehen zu geben. das liegt an der teilweise recht unsicheren Arbeitsplatzsituation.
Viel Erfolg! Norrfan
hansbaer
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Beitrag von hansbaer »

Die Antwort ist eigentlich recht einfach - in solchen Fällen wird in Schweden eine Art Schufa-Abfrage gemacht. Diese weist auch aus, was in den letzten Jahren so an Einkommen versteuert wurde. Die Einkommen des Jahres 2008 sind aber wahrscheinlich noch nicht registriert, und so steht im Ergebnis dieser Abfrage, dass dein Mann genau 0 kr Einkommen im letzten Jahr hatte. Daher wurde der Kredit dann abgelehnt.
strillo
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Beitrag von strillo »

Es ist genauso wie hansbaer geschrieben hat. Solange ihr in Schweden noch keine Steuererklärung gemacht habt sind diese Abfragen immer negativ. Übrigends kann in Schweden jeder nachfragen was man verdient. Wird sogar teilweise in den Zeitungen abgedruckt wer die Topverdiener in der Komune sind.
Also sobald eure Steuererklärung registriert ist sollte das auch mit dem Kredit klappen.
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Aelve
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Beitrag von Aelve »

Hallo,

bei der Höhe des relativ niedrigen Darlehns würde ich auch immer zu meiner Hausbank gehen. Vielleicht ist die Darlehnssumme auch zu niedrig, so dass per Internet dieses Darlehn nicht gewährt wird, es lohnt sich evtl. für die Bank dann nicht, denn im Moment sind die Zinsen ja auch nicht so hoch.
Die Hausbank hat eine andere Übersicht über die mtl. Zahlungseingänge, so dass sie den Betrag sicherlich leichter ausleihen als eine Bank, die den Anfragenden nicht kennt und einschätzen kann.

Viele Grüße Aelve
So arbeiten, als könnte man ewig leben. So leben, als müsste man täglich sterben.
karl69
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Beitrag von karl69 »

strillo hat geschrieben:(...)Übrigends kann in Schweden jeder nachfragen was man verdient. (...)
Ziemlich krass...

Kann man das auch verhindern?

Was ist wenn in meinem Arbeitsvertrag steht, dass ich Stillschweigen über mein Gehalt bewahren muss?

Karl
hansbaer
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Beitrag von hansbaer »

karl69 hat geschrieben: Kann man das auch verhindern?

Was ist wenn in meinem Arbeitsvertrag steht, dass ich Stillschweigen über mein Gehalt bewahren muss?
Nein, und eine solche Klausel wird es in Schweden auch nicht geben.

In Schweden gilt das Öffentlichkeitsprinzip, was besagt, dass alle amtlichen Dokumente öffentlich sind, die nicht ausdrücklich geheim sind.
Dahinter steckt die Idee, dass in einer Demokratie jedermann in der Lage sein sollte, zu kontrollieren, was der Staat macht.
Deswegen ist das Steuerregister öffentlich, und dagegen kann man auch nichts machen.

In Schweden spricht man auch offen über Geld. Es ist nicht wie in Deutschland mit einem Tabu belegt.
karl69
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Beitrag von karl69 »

hansbaer hat geschrieben:
karl69 hat geschrieben: Kann man das auch verhindern?

Was ist wenn in meinem Arbeitsvertrag steht, dass ich Stillschweigen über mein Gehalt bewahren muss?
Nein, und eine solche Klausel wird es in Schweden auch nicht geben.

In Schweden gilt das Öffentlichkeitsprinzip, was besagt, dass alle amtlichen Dokumente öffentlich sind, die nicht ausdrücklich geheim sind.
Dahinter steckt die Idee, dass in einer Demokratie jedermann in der Lage sein sollte, zu kontrollieren, was der Staat macht.
Deswegen ist das Steuerregister öffentlich, und dagegen kann man auch nichts machen.

In Schweden spricht man auch offen über Geld. Es ist nicht wie in Deutschland mit einem Tabu belegt.
Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Ich habe einen deutschen Arbeitsvertrag, da ich in Schweden für eine deutsche Firma arbeiten werde.

Die Idee, dass in der Demokratie jedermann in der Lage sein sollte, zu kontrollieren, was der Staat macht, ist absolut lobenswert.
Aber hier geht es um den Privatsphäre bzw. Datenschutz der Informationen über Privatpersonen.

Karl
nightbow
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Beitrag von nightbow »

(gelöscht - sorry leute)
Zuletzt geändert von nightbow am 5. März 2010 13:02, insgesamt 1-mal geändert.
hansbaer
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Beitrag von hansbaer »

Die Weitergabe und Datenansammlung, wie sie in Deutschland per Payback-Karte betrieben wird, ist in Schweden trotzdem verboten. Man darf zwar nachgucken, wieviel jemand verdient, aber dieser erhält bei Internetabfragen eine automatische Mitteilung darüber.

Aber natürlich ist es Ansichtssache, ob eine Steuererklärung bzw. die darauf befindlichen Summen Privatsache sind.

Datenschutz wird hier einfach anders aufgefasst.
nightbow
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Beitrag von nightbow »

(gelöscht - sorry leute)
Zuletzt geändert von nightbow am 5. März 2010 13:02, insgesamt 1-mal geändert.
hansbaer
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Beitrag von hansbaer »

nightbow hat geschrieben: als ich das ausprobiert habe haben die menschen keine benachrichtigung darüber erhalten. habe aber auch nur das gehalt abgefragt, keine komplette kreditupplysning (?) bestellt
Wenn das länger her ist, kann das durchaus sein. Nach dem Start von Ratsit nahm die ganze Sache überhand. Daher dämmten das Skatteverket die Sache ein und verlangen jetzt von Kreditauskunftunternehmen, dass sie eine Benachrichtigung schicken. Bei Ratsit kann man heute auch nur noch die Folkbokföring ansehen, solange man nicht kostenpflichtig eine Abfrage (mit Benachrichtigung) machen will.
nightbow
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Beitrag von nightbow »

(gelöscht - sorry leute)
Zuletzt geändert von nightbow am 5. März 2010 13:02, insgesamt 1-mal geändert.
Brelinger
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Beitrag von Brelinger »

karl69 hat geschrieben:Die Idee, dass in der Demokratie jedermann in der Lage sein sollte, zu kontrollieren, was der Staat macht, ist absolut lobenswert.
Aber hier geht es um den Privatsphäre bzw. Datenschutz der Informationen über Privatpersonen.
Karl

... Du musst noch viel lernen junger Padawan :mrgreen:

Schweden ist anders.....ich habe allerdings auch 3 Jahre gebraucht, um mir das vergleichen abzugewöhnen.

So ganz offen über das Gehalt sprechen wir bei uns in der Firma auch nicht. Aber so zugenäht und verklemmt wie das einige in der Heimat handhaben muss man es auch nicht machen.

Zum Thema Datenschutz gilt hier aber auch das Prinzip der Integrität, soll heissen man steckt seine Nase nicht ständig in anderer Leute Dinge - Stichwort Rentner mit Kissen am Fenster..... also Tar det lungt! ;)
Das Leben ist ein Match!
nightbow
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Beitrag von nightbow »

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Zuletzt geändert von nightbow am 5. März 2010 13:02, insgesamt 1-mal geändert.
strillo
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Beitrag von strillo »

Hallo Nightbow,

kannst Du mir bitte auch den link per PN schicken?
Kerstin P.

Beitrag von Kerstin P. »

Aber zurück zur Bank:

Bei jeder Kreditanfrage bekommt man einen Vermerk in "ich-hab-vergessen-wie-die-Behörde-heisst". Also, wie es in D beim Autokauf üblich ist; erst Finanzierung fragen, dann Hausbankangebot einholen und vielleicht nochmal woanders probieren, führt hier zum Naserümpfen. Je mehr "Anfragen" man nämlich stehen hat, desto vertrauernunwürdiger wird man für die Bank. Das wusste ich nämlich nicht. Abgesehen davon sind die Zinssätze verhandelbar, beispielsweise bekommt man bei Swedbank einen günstigeren Zins, wenn man Gewerkschaftsmitglied ist. Ansonsten scheint zu gelten, je geringer das Einkommen, desto höher der Zins.
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