Radon-Grenzwert wird nicht gesenkt

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Karsten
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Radon-Grenzwert wird nicht gesenkt

Beitrag von Karsten »

Schweden lehnt es ab, die zulässige Höchstgrenze für radioaktives Radon in Gebäuden zu senken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat für das in Gesteinsformationen vorkommende Edelgas einen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft empfohlen. In Schweden sind 200 Becquerel erlaubt. Jährlich wird bei einigen hundert Fällen von Lungenkrebs Radon als mutmaßliche Ursache ermittelt. Die schwedische Bauaufsichtsbehörde hat auf Grund neuer Untersuchungen entschieden, auf eine Halbierung des Grenzwertes zu verzichten.

Ein Sprecher der Behörde sagte im Schwedischen Rundfunk, die Kosten für bauliche Veränderungen zur Senkung der Radonwerte wären erheblich, obwohl ein besserer Schutz vor Erkrankungen kaum erreicht würde. Deshalb seien den Hauseigentümern solche Umbauten nicht zuzumuten.

(Quelle: Radio Schweden)
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goteborgcity
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Re: Radon-Grenzwert wird nicht gesenkt

Beitrag von goteborgcity »

Da Radon vor allem in Granit vorkommt, haben in Schweden sehr viele Wohnungen und Häuser eine hohe Strahlung an Radon. Wenn eine Wohnung mit einer Strahlung von 200 Becquerel nicht gelüftet wird, so kann der Wert sogar erheblich über den bereits sehr hohen Grenzwert in Schweden steigen.

Hinzu kommt, dass man bei Rauchern, auch Passivrauchern, nicht mehr trennen kann, ob Lungenkrebs vom Rauchen oder von Radon kommt, ist jede Angabe reine Schätzung, die von der schwedischen Regierung als wissenschaftlicher Wert übernommen wurde. Die Entscheidung wurde daher nicht vom gesundheitlichem Standpunkt aus, sondern vom wirtschaftlichem Standpunkt aus gefällt.

Einige Ergänzungen zu Radon in schwedischen Wohnungen:
Kurznachrichten Schweden
Hohe Radon-Werte in schwedischen Bauten
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biker7
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Re: Radon-Grenzwert wird nicht gesenkt

Beitrag von biker7 »

Die WHO hat vorgeschlagen, einen Wert von 100 Bq/m3 anzustreben. Dort, wo dieser Wert aufgrund landesspezifischer Gegebenheiten nicht erreichbar ist, soll der Wert nicht über 300 Bq/m3 liegen. (WHO Handbook on Indoor Radon, 2009).

Was bedeutet das konkret?
Einen Wert von 100 Bq/m3 kann man mit den heute verwendeten, sehr günstigen Dosimeter-Typen nicht mehr mit genügender Präzision messen.
Die Anforderungen an eine Sanierung steigen extrem: Die Einhaltung eines Wertes von unter 400 Bq/m3 (Zielwert bei Sanierungen gemäss aktuellem CH Recht, der Grenzwert liegt in der Schweiz z.Zt. bei 1'000 Bq/m3) ist zumeist mit einfachen, fallweise auch mit teureren (4stelliger Euro-Bereich) Massnahmen möglich. Sanierungen unter 100 Bq/m3 dürften hingegen sehr, sehr schwierig und / oder aufwändig werden.

Zur gesundheitlichen Gefährdung:
Hier möchte ich zitieren:
"Radon in Wohnungen ist wichtigster Umweltrisikofaktor für Lungenkrebs", Michaela Kreuzer, UMID, 2005:

Tabelle 3: Kumulatives absolutes Risiko bis zum 75sten Lebensjahr an Lungenkrebs zu sterben in Abhängigkeit der Radonkonzentration für lebenslange Nichtraucher und Raucher. Angaben in Anzahl Lungenkrebstodesfälle pro 1'000 Personen:
Lebenslange Nichtraucher: (haben demnach bei folgenden Radonkonzentrationen folgendes Risiko)
bei 0 Bq/m3 .... 4.1
bei 100 Bq/m3 ..... 4.7
bei 400 Bq/m3 .... 6.7
bei 800 Bq/me .... 9.3

Raucher (15 bis 24 Zigaretten pro Tag):
bei 0 Bq/m3 .... 101
bei 100 Bq/m3 .... 116
bei 400 Bq/m3 .... 160
bei 800 Bq/m3 .... 216

"Die Mehrheit der lungeninduzierten Fälle stellen deshalb Raucher dar."
(Ende Zitat)

Will heissen:
Das Risiko, bis zum Alter 75 an Lungenkrebs zu sterben, liegt bei 100 Bq/m3 Radon bei einem Nichtraucher bei 0.47%, bei 400 Bq/m3 bei 0.67%. Bei einem Raucher liegt das Risiko bei 11.6% und steigt auf 16% an bei 400 Bq/m3.
Folgedessen verstärkt Radon das Lungenkrebsrisiko, das ist klar. Auswirken tut es sich aber bei Rauchern viel, viel stärker als bei Nichtrauchern, wenn wir die Totesfälle zählen statt die Prozente.

Nun sei die Frage erlaubt: Was kommt den Staat günstiger zu stehen: Rauchern das Rauchen abgewöhnen oder Radon bekämpfen? Für mich ist die Sache klar.....

Gruss
biker7
goteborgcity
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Re: Radon-Grenzwert wird nicht gesenkt

Beitrag von goteborgcity »

@biker7

Deine Erklärung stimmt zu hundert Prozent, aber das war nicht die Aussage der schwedischen Regierung und die Argumentation bei der Entscheidung.

Aber ich wollte auf Deine letzte Aussage hinaus, denn das Problem des Rauchens wird nach einer Statistik bereits 2028 in Schweden geklärt sein, dann wird Radon-Sanierung wieder interessant:
http://schweden-nachrichten.blogspot.co ... -2011.html
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