Über Arbeistlose und ums Überleben

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Hiltrud Baier
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Über Arbeistlose und ums Überleben

Beitrag von Hiltrud Baier »

Neue Horrormeldungen aus der Welt der Arbeitslosen.
Nachdem die Moderaten nach der Wahl 2006 die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung angehoben haben, sind viele aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung ausgetreten. Heute gibt es deshalb ca. 53 000 Arbeitslose in Schweden, die nicht berechtigt sind, Arbeitslosengeld zu beziehen. Das heißt, Sie bekommen Sozilhilfe und das sind nach Abzug der Steuern ca. 550 Euro. Davon kann niemand leben. 32 Prozent aller Arbeitslosen, die beim Arbeitsamt gemeldet sind, haben keine Arbeitslosenversicherung. 2006 lag der Anteil noch bei 15 Prozent.

Falls ihr also vorhabt, nach Schweden auszuwandern und dort zu arbeiten: Versichert euch sofort bei einer Arbeitslosenversicherung. Bis heute ist diese Versicherung freiwillig und oft ist es so, dass einen niemand über diese Tatsache aufklärt. Wenn wir als Deutsche hierher kommen, denken wir meist nicht dran, dass Dinge in Schweden anders laufen, als in Deutschland. Versichert euch also, denn die paar Euro, die man einsetzen muss, sind gut angelegt.

Liebe Grüße
Hiltrud aus Jokkmokk
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Wolfgang B.
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Wohnort: Västra Götalands län

Beitrag von Wolfgang B. »

Ich bin sehr froh darueber das die Arbeitslosenversicherung hier keine
Pflicht ist.l
Die Einkommen sind hier in der Regel ausreichend hoch,das man seine
eigene A-Kassa aufmachen kann,die dann bei Bedarf auch völlig unbuerokratisch auszahlt.
Der deutsche Arbeitnehmer finanziert mit seinen Sozialabgaben in erster
Linie gut bezahlte,ueberversorgte,und ueberaus bequeme Arbeitsplätze bei
den entsprechenden Behörden.
Was glaubst du wie hoch das Einkommen von dem Wichtigtuer ist,der ab
und an mit dramatischer Mine die Arbeitslosenzahlen bekannt gibt und
wie seine Leistungsbillanz aus sieht?

so long
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Wolfgang B.
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Beitrag von Wolfgang B. »

Was mir gerade noch einfällt.
Vor Jahren habe ich mich einmal als KFZ Mechaniker bei einem grossen
Automobilzulieferer beworben,mit aufwändiger Bewerbungsmappe,guten
Referenzen und allem PIPAPO.
Konkurenz war jemand aus Lettland,der gar nichts vorzuweisen hatte und
den ich gar nicht richtig ernst nahm,da er auch noch grosse Probleme hatte
sich mitzuteilen.
Der hat dann tatsächlich den Job bekommen.
Wie war das möglich????
Ganz einfach.Das Arbeitsamt hat sich grosszuegig an seinen Lohnkosten
beteidigt.
Sie sind ja nicht einmal Langzeitarbeitsloser hiess es.
Da habe ich doch tatsächlich mit meinen Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung meine eigene Konkurenz bezahlt.
Na ja,danach ging ich in den Hamburger Hafen wo ich noch einige Jahre
sehr gut verdienen konnte.
Arbeitslosengeld habe ich uebrigens nie !!!! bekommen.
Das wurde so schikanös behandelt das ich lieber von meinen Ersparnissen
gelebt habe.

so long
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sysco
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Beitrag von sysco »

Bei all diesen dramatischen Zahlen würde mich dann doch interessieren, welche Berufsgruppen da entlassen werden. Es gibt schlicht technische Entwicklungen, die einfach Arbeiten überflüssig machen. Neben wir als Beispiel den Fahrstuhl. Früher gab es für den eine Person, die sie bedient hat, weil es so kompliziert war. Das war ein Arbeitsplatz. Heute geht alles automatisch.
Das ist jetzt natürlich ein ganz altes Beispiel, lässt sich aber auf die moderne übertragen. Wieso an alten Berufen festhalten, wenn man es automatisieren kann ? Wenn man es selber nicht macht, macht es die Konkurrenz ganz sicher und man selbst ist schnell pleite.
Da bleibt nur, daß man die Leute mit vorher einfacheren Arbeiten weiterbildet und sie zu höheren Jobs befähigt.
Das ist nur grundsätzlich gesprochen. Natürlich gibt es auch höher qualifizierte Arbeitslose.
Aber zurück zu meiner Ausgangsfrage: welche Art von Arbeitsplätzen werden gestrichen und wieso ? (klar, wenn die Autoindustrie den Bach runtergeht, leidet die Zulieferindustrie. Es ist wie mit der Natur. Wenn es ihr gut geht, gibt es allerlei spezialisierte Lebewesen, z.b. in den Tropen. Wenn es schlechter geht (Eiszeit, etc.) reduziert sich vieles auf anpassungsfähigere Lebewesen. Man kann also viele Parallelen zur Natur ziehen und weil Schweden für die schöne Natur bekannt ist... :) )
Brelinger
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Wohnort: Jönköping

Beitrag von Brelinger »

Ich kann Hiltrud nur beipflichten!

Arbeitslosenversicherung (A-Kassa) ist absolut wichtig. Die "soziale Hilfe" reicht nicht aus, um vernünftig auszukommen.

Leider ist es so, dass meist die Leute, die auf jede Krone angewiesen sind dort ausgetreten sind. Dies sind aber oft auch die Menschen, die bei Kündigungswellen am ehesten bedroht sind. Hier wäre ein Pflichtbeitrag evtl. Schutz des Bürgers gewesen.

Und gerade als "normaler" Ausländer/Einwanderer/Zugezogener/zuletzt angestellter läuft man evtl. Gefahr zu dieser Gruppe zu gehören. Ich zahle in DE auch 50,- € für eine BU Versicherung....finde ich viel Geld - aber das ist eben für den Ernstfall.

Das "bischen" Geld jedoch als Eigensicherung aufzubauen funktioniert bei den meisten Versicherungen nicht. Zum Beispiel hat man nach 2 Jahren A-Kassa 24x 500 SEK A-Kassa Beiträge gezahlt = 12000 SEK.
Wir man arbeitslos, dann bekommt man Auszahlungen per Monat zum Beispiel 14.000 SEK - das rechnet sich dann schon.
Eben ein Versicherungsprinzip.

@Wolfgang B.:
Verbittert?
Das Arbeitslosenamt, die Sozialbeiträge und andere Abgaben sind nunmal Teil eines "Solidaritätprinzips". Das nennt sich so, weil viele Menschen einige wenige stützen. Nicht nur Konkurrenten, Schmarotzer und anderes Gesindel - sondern auch Behinderte, Kranke und andere die mit dem Tempo der "normalen" Bevölkerung nicht mithalten können oder Nachteile ausgleichen können.
(Ob das nun in der Praxis funktioniert wäre ein eigener Thread.)
Aber so pauschal zu urteilen, das Arbeitslosenbeiträge keinen Sinn machen ist zu einfach und nicht ok!

Cheers und frohes Fest - Brelinger
Das Leben ist ein Match!
sysco
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Beitrag von sysco »

Wolfgang B. hat geschrieben:Die Einkommen sind hier in der Regel ausreichend hoch...
Du sagst ja schon selber, daß es nicht für alle ausreichend hoch ist, von daher...
Wolfgang B. hat geschrieben:Vor Jahren habe ich mich einmal als KFZ Mechaniker bei einem grossen Automobilzulieferer beworben,mit aufwändiger Bewerbungsmappe,guten Referenzen und allem PIPAPO.
Meinen bescheidenen Kenntnissen nach, gestalten sich schwedische Bewerbungsunterlagen recht einfach. Vielleicht hast du übertrieben, vielleicht aber auch nur einen ungünstigen Fall erwischt.
Wolfgang B.
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Beitrag von Wolfgang B. »

Hej,sysko.
Mir ist jetzt nicht ganz klar ob du meinen Beitrag nicht verstanden hast,oder ob es sich um Trivialrethorik auf Helmut Kohl Niveau handelt.
Um die Stelle als KFZ -Mechaniker hatte ich mich in D./Hamburg beworben
nicht in Schweden.
Wo schlecht bezahlt wird,wird in der Regel viel verlangt.In D.braucht man aussagefähige Berwerbungsunterlagen!!! Hast du dich noch nie irgend wo in D. beworben?
Auch habe ich geschrieben das die Einkommen in Schweden eigentlich
immer ausreichend sind (wenn mann nicht gerade ueber seine Verhältnisse
lebt).
Hast du schon einmal versucht in D. Arbeitslosengeld zu bekommen?
Mir war das immer zu umständlich.

so long
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Wolfgang B.
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Beitrag von Wolfgang B. »

Brelinger hat geschrieben:Ich kann Hiltrud nur beipflichten!

Arbeitslosenversicherung (A-Kassa) ist absolut wichtig. Die "soziale Hilfe" reicht nicht aus, um vernünftig auszukommen.

Leider ist es so, dass meist die Leute, die auf jede Krone angewiesen sind dort ausgetreten sind. Dies sind aber oft auch die Menschen, die bei Kündigungswellen am ehesten bedroht sind. Hier wäre ein Pflichtbeitrag evtl. Schutz des Bürgers gewesen.

Und gerade als "normaler" Ausländer/Einwanderer/Zugezogener/zuletzt angestellter läuft man evtl. Gefahr zu dieser Gruppe zu gehören. Ich zahle in DE auch 50,- € für eine BU Versicherung....finde ich viel Geld - aber das ist eben für den Ernstfall.

Das "bischen" Geld jedoch als Eigensicherung aufzubauen funktioniert bei den meisten Versicherungen nicht. Zum Beispiel hat man nach 2 Jahren A-Kassa 24x 500 SEK A-Kassa Beiträge gezahlt = 12000 SEK.
Wir man arbeitslos, dann bekommt man Auszahlungen per Monat zum Beispiel 14.000 SEK - das rechnet sich dann schon.
Eben ein Versicherungsprinzip.

@Wolfgang B.:
Verbittert?
Das Arbeitslosenamt, die Sozialbeiträge und andere Abgaben sind nunmal Teil eines "Solidaritätprinzips". Das nennt sich so, weil viele Menschen einige wenige stützen. Nicht nur Konkurrenten, Schmarotzer und anderes Gesindel - sondern auch Behinderte, Kranke und andere die mit dem Tempo der "normalen" Bevölkerung nicht mithalten können oder Nachteile ausgleichen können.
(Ob das nun in der Praxis funktioniert wäre ein eigener Thread.)
Aber so pauschal zu urteilen, das Arbeitslosenbeiträge keinen Sinn machen ist zu einfach und nicht ok!

Cheers und frohes Fest - Brelinger
Nicht verbittert,Brelinger aber deutlich verärgert.
Ich lebe ja nicht aus Spass hier in Schweden,wegen der schönen Landschaft,usw. sondern weil ich hier wuerdig existieren kann.

Helmut Kohl hat meine Arbeitskraft in D.völlig inflationiert,die sozialen Sicherungssysteme mutwillig zerstört (sind ja nicht seine) und die Identität
geraubt.
Ich fuehle mich aus meinem eigenen Land vertrieben.
Da bin ich nicht gerade gluecklich drueber.

Anderseits ging es mir wirtschaftlich noch nie so gut wie hier in S.
Eigentlich muesste ich ihm dankbar sein (lach).

so long
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sysco
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Beitrag von sysco »

Hallo Wolfgang B.
Ja, deinen Beitrag fand ich tatsächlich verwirrend.

Und ja, der Staat zahlt bereitwillig jede Menge Niedriglöhner in DE mit. Die entsprechenden Gesetze sind so formuliert, daß das möglich ist.

Und weil ich deinen ursprünglichen Beitrag nicht verstanden habe, habe ich auch vermeintliche Kohl-Niveau Rhetorik betrieben. (es war mir nicht klar, auf welche Länder du dich beziehst)

>Wo schlecht bezahlt wird,wird in der Regel viel verlangt.
Das kann durchaus zutreffen, ja.

>In D.braucht man aussagefähige Berwerbungsunterlagen!!!
Wie vieles, wird auch das übertrieben. Aber es stimmt.

>Hast du dich noch nie irgend wo in D. beworben?
Danke...wie gesagt, der Bezug zu einem Land hat mir gefehlt. Wir können gerne sachlich bleiben.

>Auch habe ich geschrieben das die Einkommen in Schweden eigentlich
>immer ausreichend sind
Richtig...."eigentlich"...das impliziert, daß es nicht immer der Fall ist, auch wenn man normal lebt. (Da können so viele Sachen passieren...)

>Hast du schon einmal versucht in D. Arbeitslosengeld zu bekommen?
>Mir war das immer zu umständlich.
Du beschwerst dich über dich selbst, nicht über die fehlende Möglichkeit.
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Beitrag von Berlinerfamilie »

Hallo,

ich habe mal mit interesse euren Gedanken- austausch verfolgt und jeder hat ein " körnchen Wahrheit " .
Ich lebe in 2 Welten , 6 mon in D und ca 6 mon in SW.
Jedes Land hat seinen Vorteile, die ich nicht missen möchte, aber auch seine Nachteile.
In D.
die Politik, die Verwaltung und die " verbeamteten Staatsdiener " denke in unserem Land nicht Sie sind für die Bevölkerung da , sondern die Bevölkerung für Sie .

dies ist nach meiner Festsstellung in SW ganz anders.

Was mir aber in SW besonders gefällt und mich beeindruckt ist, dass wenn du ein Problem hat oder Hilfe braucht sofort ist jemand da und hilft dir ohne großes brimborium. Es ist sich niemand zu schade dazu.
Dies ist in D nicht mehr so, auch gibt es diesen Neid nicht , der Nachbar hat einen größeren Wagen oder Haus usw.

Was ich in SW vermisse, " anständig essen " zu gehen . Es gibt nur McDoof, Kepab und pappige Pizza .
Ich genieße es wenn ich nach D komme sehr " aushäusig " einen guten Chinesen, Juguslawen und Grichen zu konsultieren und na gut ein Bier dazu zu trinken kein Lät .


Ein schönes Fest allen
:-flagge2
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Beitrag von Aelve »

Hallo,

obwohl ich in Deutschland lebe, weil ich kurz vor dem Rentenalter stehe und jetzt nicht mehr in Schweden eine Arbeit finden könnte, gebe ich Wolfgang B. in vielen Dingen recht. Mir ist wieder einmal bewußt geworden, dass ich durch meine Einzahlung in die Arbeitslosenvers. diejenigen finanziere, die z.B. für einen Hungerlohn arbeiten müssen und dadurch noch vom Arbeitsamt Arbeitslosengeld beziehen müssen. Diese Leute finanziere ich zwar gerne, aber es ist in meinen Augen verrückt, welche Ausmasse es angenommen hat. Firmen bekommen günstige Arbeitnehmer, diese bekommen Arbeitslosengeld, da sie ja mit dem niedrigen Arbeitslosengeld nicht auskommen. Diese Firmen stellen natürlich dann keinen normal bezahlten Arbeitnehmer ein, das ist ja die Krux. Und wenn die Zuschüsse vom Arbeitsamt auslaufen, dann stellen sie den Mitarbeiter ja nicht ein, sondern holen sich wieder einen günstigen Arbeitnehmer.
Wenn ich aber arbeitslos werden sollte, dann bekomme ich trotz jahrzentelanger Einzahlung in die Arbeitslosenkasse nur eine ganz bestimmte Anzahl von Monaten Geld von der A-Kasse.
Nein, auch mir stinkt es in D immer mehr, wie es sich so in den letzten Jahren in D fehlentwickelt hat.
Und ich bin überzeugt, dass auch Handwerker in Schweden ein gutes Auskommen haben, nicht so wie in Deutschland, wo die Gehaltsschere zu weit auseinander klappt, was mir persönlich mißfällt.

Grüße Aelve :Flagge2:
So arbeiten, als könnte man ewig leben. So leben, als müsste man täglich sterben.
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Beitrag von Aelve »

Hallo,

das ist ja beruhigend.

Da haben wir aber Glück gehabt.

Gruß Aelve
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