Arbeitsatmosphäre in Schweden

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TurboHL
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Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von TurboHL »

Hallo, bin seit 5 Jahren in Schweden in einem grösseren Unternehmen und muss feststellen, dass mich die Arbeitsatmosphäre noch immer so sehr irritiert, dass ich nicht weiss, ob ich sie jemals akzeptieren kann. Zwar sehe ich auch die guten Seiten des typisch schwedischen Lebensstils, aber die negativen nehmen in meinem Kopf und Leben sehr viel Platz ein.
Hier ein paar Beispiele.
Flache Hierarchien: was ich darunter vor Schweden verstand und auch gelebt habe (z.B. in der Schweiz) ist relativ freies Arbeiten, und der Teammanager steht beratend und unterstuetzend zur Seite. Was ich in Schweden erlebe, ist, dass der Teammanager eine relativ geringe Bildung hat, dafuer aber 2-3 Kinder, und seine Ehefrau arbeitet in der Nachbargruppe. Persönlich kann ich keine höhere soziale Kompetenz bei ihm erkennen, und frage mich, warum er Teammanager ist. Vitamin B?
Wenn Geräte in der Firma kaputt sind, die zum Arbeiten gebraucht werden, ist es nicht selbstverständlich, dass diese schnell repariert werden. Man muss einen Antrag stellen, 5 Mal nachfragen, und dann wird es irgendwann erledigt, und das auch noch relativ schlecht.
Allgemein komme ich mir oft wie im Kindergarten vor, ständig Teamevents, bei denen kindische Aktivitäten unternommen werden, und wenn man nicht mitmacht, wird man regelrecht "ausgeschimpft", natuerlich auf etwas passiv-aggressive Art und Weise.
Geht es noch jemandem so wie mir? Oder könnt Ihr mir etwas raten? Will den Job eigentlich nicht aufgeben, fuehle mich jedoch arg ungerecht und unangemessen behandelt und deshalb insgesamt unwohl. Danke & VG


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TurboHL
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Re: Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von TurboHL »

Hat niemenad einen Kommentar fuer mich?


Wernersvensk
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Re: Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von Wernersvensk »

Hej TuboHL,
was möchtest du denn lesen,
wenn du zuviele negative Eindrücke hast solltest du vielleicht die Firma wechseln.
Schweden haben vielleicht eine etwas andere Einstellung zur Arbeit, manchmal habe ich den Eindruck man arbeitet nur soviel das das Geld reicht um über das Jahr zu kommen,andere arbeiten dann 2 Schichten hinter einander.
Der Teammanager ,Vorarbeiter,ist eigentlich nur dazuda die Arbeit zu verteilen,verantwortlich ist der Ausführende ,es gib auch keine Kontrollen so wie in Deutschland auch die Zeitvorgaben waren dort wo ich gearbeitet habe recht großzügig. Je größer die Arbeitsstelle je mehr Eigenverantwortlichkeit .
Teamevents habe ich in meiner Zeit nicht erlebt ,aber ich bin auch nun schon 9 Jahre raus,aber vielleicht gehört das mit zur Integration und um die Zusammenarbeit in einer Firma zu verbessern.
Vitamin B habe ich nicht kennengelernt, durch das du ist die Hierachie ja eigentlich flacher wie in Deutschland.
Wenn du dich ungerecht und unangemessen behandels fühlst ,ist doch die Frage was erwartest du durch deine Arbeit ,mehr Geld? mehr Anerkennung ? oder was?
Ich habe in Deutschland,Schweden und Norwegen gearbeitet ,jedes Land hat seine eigenarten und vielfach hast du es nicht nur mit Deutschen ,Schweden,Norwegern zutun sondern auch mit Dänen ,Finnen ,Polen , Littauer ,Estländer,Bulgaren und zu meiner zei auch mit Russen und jeder hat seine Eigenarten.
Mvh Werner


Gnällspik
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Re: Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von Gnällspik »

Es kommt, wie so oft, einfach darauf an. Die Effizienz und Perfektion wie man sie z.B. von D oder der Schweiz kennt darf man generell nicht in Schweden erwarten. Und da gibt es dann auch noch das Nord-Süd-Gefälle - im nördlichen Inland ticken die Uhren anders. Vitamin B gibt es reichlich in Schweden, vor allem in den ländlichen Gegenden. Meist reicht die Ausbildung des Personals für die jeweiligen Arbeitsaufgaben aus, für anspruchsvollere Aufgaben werden oft Consultants (konsulter) angemietet oder die Teilaufgaben outgesorced. Was in Schweden wichtig ist, ist die soziale Komponente und das "lagom". Das heisst, der Mitarbeiter soll sich in das Kollektiv gut einfügen können und zuder (manchmal nur scheinbaren) Harmonie am Arbeitsplatz beitragen. Das kann dann in Aktionen ausarten, die einem Deutschen manchmal albern vorkommen können. Die Deutschen kommen den Schweden aber auch manchmal albern vor ;-). Also low profile und immer brav an den fika rasten teilnehmen. Nicht anecken. Nicht immer alle seine Meinung wissen lassen.
Wie Werner bereits sagte: Wenn der Schuh nicht passt - einfach die Stelle wechseln. Vielleicht auch den Ort oder die Region.


TurboHL
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Re: Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von TurboHL »

Wernersvensk hat geschrieben: 6. Juli 2024 17:09 Vitamin B habe ich nicht kennengelernt, durch das du ist die Hierachie ja eigentlich flacher wie in Deutschland.
Wenn du dich ungerecht und unangemessen behandels fühlst ,ist doch die Frage was erwartest du durch deine Arbeit ,mehr Geld? mehr Anerkennung ? oder was?
Hallo Werner,
danke dir, mal wieder.
Die Hierarchien sind mMn nur dem Anschein nach flach. Die Hierarchien sind sehr deutlich spuerbar, auch wenn immer gesagt wird, dass wir alle gleich sind. Das stimmt einfach nicht.

Was ich erwarte? Ich habe keine Familie, 20 Jahre Berufserfahrung, und eine deutlich höhere Bildung als viele meiner KollegInnen, und dennoch werden diese bevorzugt befördert, mit Scheinargumenten. Ich verstehe das nicht und finde es ungerecht. Mein Chef sagt, Berufserfahrung spielt keine Rolle, Bildung spielt keine Rolle, wir sind alle gleich. Mein Nachteil scheint zu sein, dass ich erst relativ kurz in dieser Firma bin. Ich kann und will nicht einfach die Firma wechseln.

Gruesse TurboH


TurboHL
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Re: Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von TurboHL »

Gnällspik hat geschrieben: 9. Juli 2024 00:07 Es kommt, wie so oft, einfach darauf an. Die Effizienz und Perfektion wie man sie z.B. von D oder der Schweiz kennt darf man generell nicht in Schweden erwarten. Und da gibt es dann auch noch das Nord-Süd-Gefälle - im nördlichen Inland ticken die Uhren anders. Vitamin B gibt es reichlich in Schweden, vor allem in den ländlichen Gegenden. Meist reicht die Ausbildung des Personals für die jeweiligen Arbeitsaufgaben aus, für anspruchsvollere Aufgaben werden oft Consultants (konsulter) angemietet oder die Teilaufgaben outgesorced. Was in Schweden wichtig ist, ist die soziale Komponente und das "lagom". Das heisst, der Mitarbeiter soll sich in das Kollektiv gut einfügen können und zuder (manchmal nur scheinbaren) Harmonie am Arbeitsplatz beitragen. Das kann dann in Aktionen ausarten, die einem Deutschen manchmal albern vorkommen können. Die Deutschen kommen den Schweden aber auch manchmal albern vor ;-). Also low profile und immer brav an den fika rasten teilnehmen. Nicht anecken. Nicht immer alle seine Meinung wissen lassen.
Wie Werner bereits sagte: Wenn der Schuh nicht passt - einfach die Stelle wechseln. Vielleicht auch den Ort oder die Region.
Danke. Das glaube ich gerne, dass wir Deutsche den Schweden auch albern vorkommen. Wahrscheinlich zu ernst - oder hast Du ein anderes Besipiel fuer mich? Der Support hier ist wirklich schlimm. Ich habe ein PhD und PostDoc und viele Jahre Berufserfahrung, und muss hier fuer meine oftmals sehr viel juengeren Kollegen einspringen, die die Hälfte meine Ausbildung haben, während diese sich zuhause um ihre Familien kuemmern (lagom). Verstehe das System einfach nicht, und komme mir veralbert vor. Ich scheine ein System zu unterstuetzen, von dem ich nicht richtig profitiere.

Gruesse
TurboH


TurboHL
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Re: Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von TurboHL »

Bin wirklich froh, wenn ich weitere Erfahrungen oder Ratschläge höre. Ich möchte nicht aufgeben, auch wenn mir manches Erlebte wie unueberbrueckbare Differenzen erscheint. Ich ordne mich nicht gerne unter, und ich werde nicht gerne angelogen. Im Gegensatz zum Klischee, dass hier Harmonie herrscht, erlebe ich viel hinter dem Ruecken Getratsche und absurde Hierarchien. Ausserdem Aggression und Empathielosigkeit, wie ich sie vorher noch nie erlebt habe. Kann es sein, dass ich nicht fuer voll genommen werde, weil ich nicht die ueblichen 2 Kinder + Hund + sambo habe? Ich weiss, es klingt furchtbar. Werde zunehmend wuetender auf die Gesamtsituation.


Gnällspik
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Re: Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von Gnällspik »

Schweden kann toll sein - Schweden kann einem auch übel mitspielen. Stell dir vor du landest in Deutschland im tiefsten Schwaben oder Bayern. Oder in einer richtig miesen Firma. Beides gibt es auch in Schweden, da darf man sich nichts vormachen. Habe ich beides selbst erlebt und durchgemacht. Bin dann von Jämtland nach Småland gezogen, den Job 2 mal gewechselt, nun bin ich glücklich und zufrieden. Davor war es die Hölle und ich habe Schweden zeitweise verflucht.Und wäre zurückgewandert, wäre das möglich gewesen.
Dabei hatte ich eigentlich gute Voraussetzungen. Eine schwedische Familie und Verwandtschaft, habe schnell die Sprache gelernt und war fachlich kompetent.
Den Fehler den man oft macht ist, diese Erlebnise auf die gesamte schwedische Gesellschaft zu projizieren. Besonders in solchen Situationen.
Natürlich haben die Schweden so ihre Eigenarten und es dauert schon lange, bis man die wirklich kennt. Auch die sprachlichen Feinheiten und das Gefühl, wann man was zu wem sagen kann. 15 Jahre sind da keine Zeit, fand ich.
Was ich dir bestätigen kann ist: Die Schweden neigen generell dazu, aus dem Bauch heraus zu urteilen (magkänsla), statt wie wir Deutsche, allgemeingültige Regeln und Prinzipe anzuwenden. Da passiert es dann man leicht, dass das Leistungsprinzip flöten geht und Leute, die gut auf die Tränendüse drücken können oder entsprechend für sich argumentieren, einen Vorteil bekommen. Gegenüber denen die schweigen und arbeiten. In Schweden ganz normal und "sozial". Und in Schweden geht vieles hinter dem Rücken, selten wird offen konfrontiert. Das gilt ja schon mal als unfein.
Wenn es schlimm ist bei dir würde ich mal empfehlen, die Karten neu zu mischen. Bezüglich Anstellung und vielleicht, falls das oben zutrifft - auch regional.

Viel Glück, von ganzem Herzen!


TurboHL
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Re: Arbeitsatmosphäre in Schweden

Beitrag von TurboHL »

Gnällspik hat geschrieben: 9. Juli 2024 12:26
Was ich dir bestätigen kann ist: Die Schweden neigen generell dazu, aus dem Bauch heraus zu urteilen (magkänsla), statt wie wir Deutsche, allgemeingültige Regeln und Prinzipe anzuwenden. Da passiert es dann man leicht, dass das Leistungsprinzip flöten geht und Leute, die gut auf die Tränendüse drücken können oder entsprechend für sich argumentieren, einen Vorteil bekommen. Gegenüber denen die schweigen und arbeiten. In Schweden ganz normal und "sozial". Und in Schweden geht vieles hinter dem Rücken, selten wird offen konfrontiert. Das gilt ja schon mal als unfein.
Danke fuer deine Erläuterungen. Bin eigentlich schon in einer Grossstadt, und in einer grossen Firma. Ein Wechsel wuerde fuer mich keinen Sinn machen, dann gehe ich eher nach D zurueck. Ich dachte, Schweden sei das Land der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Aber was ich hier tagtäglich erlebe ist wirklich tiefstes Mittelalter. Gleichberechtigung scheint hier ganz anders verstanden zu werden als in D. Viele der Frauen hier haben hohe Positionen, aber relativ geringe Bildung. Vielleicht einen Bachelor oder Master, was in unserem Bereich das absolute Minimum ist. Jeder weiss, dass sie technisch nicht viel beitragen, aber es wird nie ausgesprochen. Stattdessen scheinen sie automatisch als Autorität im Bereich Values & Behaviors angesehen zu werden, da sie Muetter sind, was völliger Unsinn ist. Erlebe hier eine irritierende Mischung aus Naivität und Opportunismus bei meinen schwedischen Kollegen.


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